2. GLP Lauf – Zum Glück

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Updated: Mai 15, 2014
Rennbericht zum zweiten Lauf, hiermit nachgereicht:
 
Die Woche hat mit vielen Autobahn-km angefangen. Am Montag bin ich nach Braunlage in den wunderschönen Harz zu einer Dienstreise gedüst. Am Freitag dann wieder zurück. Während der Woche immer wieder auf den Wetterticker gelinst, immer tummelten sich diese blöden Wolken am Samstag auf der Eifel …
 
Kaum zu Hause angekommen, schnell den Renner aus der Halle geholt und für die technische Abnahme fitgemacht (Rennordner, Unterlagen, Helme verpacken, das übliche). Bennet hat mich dann begleitet und wir meisterten die Abnahme ohne Probleme (nach 8 Rennen sollte das auch nicht wirklich mehr ein Problem sein, oder?). Auf dem Heimweg dann noch getankt, die Fenster sauber gemacht und Luftdruck geprüft. Abends mit Markus Seul noch ein letztes Mal unser Verfahren durchgegangen, dabei auf Risiko gesetzt und einen neuen Zeitenzettel eingepackt.
 
Früh gings raus am Samstag: Dieses Jahr startet die GLP bereits um 8 Uhr 30 (ächz). Wir reihten uns wieder weit hinten ein im Starterfeld und alles sah gut aus – die Einführungsrunde wurde flott aber nicht riskant gefahren. Auf der Döttinger Höhe war unser Haltepunkt frei und Markus kam mit dem neuen Zettel super zurecht. Fertig, Los! Zeiten nehmen und auf das Tempo achten. Bilsteinbrücke, Yokohamaschild gleiten vorbei, ich gehe rechtzeitig vom Gas, alles passt! Dann kmmt uns aber ein grüner C-Kadett vor die Haube, der ist noch langsamer als wir. Ein Blick in den Rückspiegel (wo kommen die Autos alle her???), überholen ist nicht. Ich muss nochmal vom Gas, sogar bremsen … wie schnell war ich gerade, wo habe ich …? Mist, die Zeiten können wir vergessen. Wir brechen die Zeitennahme ab. Das muss jetzt in der ……….

Setzrunde erledigt werden. Zum "Glück" war das in der Einführungsrunde geschehen, da ist es noch kein Beinbruch. Aber wir brauchen einen Plan B! Zeiten bis Yokohama-Schild aufschreiben, danach stoppen wir neu. Nicht optimal, aber was soll man machen!?
 
Markus ist schwer beschäftigt, auf einmal fragt er nach der Abfahrtzeit. Eigentlich sollte die aus unseren gestoppten Zeiten zurückgerechnet werden, aber nun stehen uns ja keine zur Verfügung. Er schlägt 12:50 vor, ich bin mir nicht sicher, irgendwie habe ich 13:08 im Kopf … wir einigen uns auf 13:08. Pünktlich zählt er mich an, los geht's. Hohenrain – ich gebe ihm das Signal, Markus notiert – Boxeneinfahrt (kaum Zeit, Markus ist hochkonzentriert) – hat er die Zeit??? – jetzt scharf rechts (Spur halten, Tacho auf 60!), da ist die Linie. Ich hab die Hand an der Stoppuhr auf dem Lenkrad, Markus starrt aus dem Fenster …. beide Stoppuhren piepen fast synchron.
 
Ein Blick nach rechts, Markus ist beschäftigt …. schreibt und liest ab…. ich hoffe, er hat die Zeiten. Bis dahin habe ich kaum etwas von der Strecke, als er aufblickt und mir sagt, dass die Zeiten stehen, fällt mir ein Stein vom Herzen.
 
Erleichtert gebe ich Gas. Da taucht der grüne C-Kadett vor uns auf. Naja, er kann ja nichts dafür, jeder fährt hier sein Rennen… aber den schnappe ich mir sofort. Hoffentlich sehen wir den heute nicht mehr im Bereich der Start/Ziellinie. In Runde 4 kommt der Regen, den ich mir so sehnlich NICHT gewünscht hatte. also mit gedrosseltem Elan über die rutschige Nordschleife düsen. Da wir uns mit 15:19:520 eine sehr hohe Zeit gesetzt haben, ist das nicht so schlimm. Entgeistert sehe ich dann im Rückspiegel den bekannten Porsche 911 GT3RS auftauchen. Jetzt schon überrundet? Peter Schuler, der Fahrer dieses Traumwagens fliegt an uns vorbei, seine Frau Sibylle winkt kurz vom Beifahrersitz – bedankt sich dafür, dass wir Platz gemacht haben. Kurze Zeit später rauschen weitere Konkurrenten an uns vorbei. Bei der Gleichmäßigkeitsprüfung ist das nicht schlimm, da hier jeder gegen seine eigene Zeit fährt – aber es wurmt doch …
 
Ich merke, wie ich schneller werde, aber gleich werde ich eingebremst: Markus wird zum ersten Mal unwohl. Zum Glück kleben an der Beifahrertür Tüten aus dem Flugzeug. Wir testen mal, ob die auch dicht sind – sind sie: danke Tui-fly.
 
Was bitteschön soll jetzt noch passieren? Wir bestätigen unsere Zeiten traumhaft. Die erste legt bei knapp zwei Zehnteln daneben, die nächsten zwei kommen wir innerhalb weniger Hundertstel Abweichung über die Ziellinie. Nina schickt eine whattsapp-Nachricht an Markus und bestätigt unsere Zeiten, die sie am live-Ticker verfolgt. Während der Inlap (Runde 6) hört der Regen schon wieder auf, ich erkenne in einem Fahrbanbelagwechsel kurz vor Wehrseifen den Auslöser unseres Beinahe-Abflugs im letzten Rennen: in der Anbremszone mit Rechtsknick sackt der Asphalt ein wenig ab – das entlastet beim Bremsen die Hinterachse und reicht an der Haftungsgrenze schon für ein spontan ausbrechendes Heck. Also bremse ich dort jetzt früher und vermeide es, während des Lenkens zu bremsen.
 
Als wir in der Box stehen, schleift ein Ferrari 430 Scuderia mit hängender Frontverkleidung an uns vorbei. Auch Ferraris haben wohl keine Chance, physikalische Gesetzmäßigkeiten aufzuheben …
 
Weiter geht es. Wir beschliessen, genau dort weiterzumachen, wo wir aufgehört haben. Es bleibt trocken und wir spulen unsere Runden ab. Trotzdem fallen die Zeiten immer weiter in den Keller, ich werde immer schneller. Dann kommt es: wir schaffen zum ersten Mal das "Unmögliche" und fahren bis auf die Tausendstelsekunde genau über die Ziellinie. Null Fehlerpunkte in dieser Runde. Anscheinend liegen wir richtig gut im Rennen, aber die letzte Bestätigung holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück, über drei Zehntel daneben. Aber egal. Wir haben es geschafft. Zurück im Fahrerlager an der Graf-Ulrich-Halle munkelt man über einen Platz unter den Top Ten. Wahrhaben will ich es aber nicht – dafür ist einfach zu viel schief gelaufen heute. Als die Ergebnisse hängen, stehen unsere Namen auf dem 8. Gesamtrang! Wir sind in die Top Ten gefahren. Bestes Ergebnis bisher. Wir freuen uns, andere Teams gratulieren uns zu diesem Erfolg, traumhaft. Wir sind platt, aber glücklich. 
 
Nächste Herausforderung: 24. Mai – Dritter Lauf der GLP 2014. 
 
Bis dann, 
 
Florian

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